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Montag

Korb-Reparatur-Tag

Ein Bienenkorb ist ganzjährig draussen und somit auch ununterbrochen dem Wetter ausgesetzt: Sonneneinstrahlung und Hitze, Feuchtigkeit in Form vom Nebel, Regen und Schnee, zudem Wind und Frost. Auch so mancher Vogel kann in spezieller Weise seinem Aussehen und seiner Funktionalität zusetzen. Wie ein Gartenmöbel aus Holz einer Pflege bedarf und aufgefrischt wird, kann man, wenn nötig, die Gesamtlebensdauer des Schmuckstücks verlängern.

Wir möchten allen Korbeigentümern die Möglichkeit bieten, noch vor dem Start in den Bienenfrühling, die Körbe auf den neuesten Stand zu bringen und die anstehenden Arbeiten gemeinsam mit anderen Interessierten und Helfern bei uns durchzuführen. 

Wir werden also:

- Putzschicht fachgerecht reparieren, ggf. ganz erneuern
- Holzteile säubern und erneut ölen
- Reparaturen am Flechtwerk durchführen (Anflugtrichter) 
- 
Wachstuch Reparaturen vornehmen
- Rähmchen säubern und abflämmen

Bei Interesse bitten wir um Anmeldung bis 25.03.2023 und um eine kurze Beschreibung (ggf. mit Bild), um welche Arbeiten es sich im konkreten Fall handelt, damit wir die anstehenden Materialbesorgungen vornehmen können (Putz, Stroh, Bindematerial, Öl).
 
Organisatorische Infos:

  
      Termin:
     Samstag, 1.04.2023, 10-17 Uhr

     Ort:
     Dorf-Universität Dürnau (PLZ: 88422) 
     Treffpunkt: Ladengeschäft der Kooperative
     Dürnau (Braunenweiler Str. 1)

     Kosten:
     Teilnahmegebühr: 30 €
     Material wird nach Bedarf abgerechnet.
     Das Werkzeug stellen wir zur Verfügung.
 
 



Projekte und Mitmachmöglichkeiten


Korb-Sharing
Eigentlich sind wir sehr dafür, dass der Mensch, der ein Bienenvolk "sein eigen" nennt, diesen Bienen auch die äußere Hülle, also den Korb, selber machen sollte. Jedoch gibt es Fälle, wo dies gar nicht möglich ist, z.B. durch körperliche Behinderung, Armut, Alter usw.
Wiederum gibt es Menschen, die gerne einen Bienenkorb flechten würden, ihrerseits aber gar nicht unbedingt Bienen halten wollen oder können. Die Tätigkeit des Flechtens oder Bindens ist, wie viele ja schon wissen, eine sehr entspannende und schöne, sodass man es auch aus solchen Gründen hier bei uns oder zuhause bei sich machen kann. 
 
Wir würden die jeweilig interessierten Menschen gerne zusammenbringen. Sei es, dass sie sich hier bei unseren Treffen kennenlernen oder sich interessiert per Mail an uns wenden.
 
Korb-Funding
Mag es Menschen geben, die im Falle einer Finanzierung eines Korbes gerne unterstützend tätig werden wollten. Hier würden wir ebenfalls vermittelnd wirken können und diese Menschen zusammenbringen mit denen, deren Mittel nicht ausreichen, um an einem Flechtkurs teilzunehmen.
 
Korb-Testing
Jemand würde gerne "ernsthaft ausprobieren", ob das Bienenabenteuer auch etwas für ihn/sie wäre. In diesem Fall ist es denkbar, dass wir dem Interessierten Menschen einen Bienenkorb mit Schwarm (so wir einen haben) ausleihen, für die Dauer einer Frühjahr-Sommer-Herbst-Saison. Es bestünde dann die Möglichkeit anschliessend das Volk, um das man sich gekümmert hat, auf Dauer zu übernehmen und einen Korb für dieses Volk herzustellen. 
 
Daten-Sharing
Jemand der schon Bienen im Korb hat, möchte an einem Projekt mitarbeiten bei dem es z.B. darum gehen könnte Erkenntnisse über das Verhalten oder die Umstände für die Bienen in einer weiteren Gegend oder Landschaft zu bekommen und Daten zu sammeln.
Dabei kann es sich wiederum um das Aufschreiben von Beobachtungen und deren Weitermeldung an entsprechende Sammelstellen handeln. Auch ein Beobachten mittels technischer Mittel ist denkbar, z.B. Sammeln von Daten zu Gewichtsveränderungen des Korbes. 

Wenn jemand durch Inhalte dieser Auflistung auf neue Ideen oder Bedürfnisse gestossen ist, so wäre es ganz schön, wir könnten diese Auflistung hier erweitern und veröffentlichen.
 
Was noch nicht ist, kann dann ja vielleicht irgendwann werden!



Donnerstag

Wabenstabilisierung - ein Versuch

15. Juni 2017: Anzeichen für ein Problem im
inneren des Korbes, Bienen laufen unruhig auf
der ganzen Fläche draußen.  
Jeder Jahreslauf hat seine Eigenheiten. So manche Konstellation kommt sehr selten vor, z.B. ein besonders schwerer Sturm oder eine so lange Trockenheit, wie wir eben im Jahr 2018 erleben durften. Für unsere Korbbienen können Sturm und Hitze besondere Herausforderungen darstellen, weil sie ihre Wohnung zwar selber einrichten und von innen gestalten, jedoch keinen all zu großen Einfluss haben auf etwaige Wetterextreme zu reagieren. Wenn ein Korb hoch im Baum heftig vom Wind bewegt wird, besteht unter Umständen die Gefahr eines Wabenabrisses. Ebenso besteht diese Gefahr unter gewissen Umständen bei hohen Temperaturen. Die Bienen sind dann nicht mehr in der Lage den Korb in ausreichendem Masse zu klimatisieren. 
In beiden Fällen (nicht selten treten diese Fälle kurz nacheinander auf) müssen wir Sorge haben, dass der Wachskörper des Biens großen Schaden erleidet. In der Folge kann der Weg für die Flugbienen versperrt werden. Ein weiterer existenzieller Schaden ist ein Verlust der Königin. 
Wir als Architekten des Hängekorbes sind natürlich verantwortlich für die Umstände, die den Bien in der positiven Regulierung seiner Lebensumstände verhindern.


Abgerissene Waben im Korb. Beide Völker haben die Königinnen eingebüßt.













Quelle: youtube, Imkerverein Germersheim "2 Vorbereitungen Vorschwarmzeit" (11. Minute im Film)




In der Korbimkerei wird dem Abriss einer oder mehrerer Waben im Korb entgegengewirkt und 
zwar mit mehreren Holzspeilen, die quer zum vertikalen Flächenwachstum der zu bauenden Waben in den Korb eingepasst werden. Die Heideimker müssen in ihrer Betriebsweise die Körbe bewegen und transportieren und sind deswegen auf eine Stabilisierung der Waben ebenfalls angewiesen. 
Da im Korb die Waben ansonsten frei hängend sind, verhindern die Speile einen Abriss an der Aufhängung der einzelnen Wabe, bzw. ein zusammendrücken der verschiedenen Waben, so dass keine Bienen in den Wabengassen gequetscht werden. 

Im Hängekorb bekommen wir Probleme bei Schwarmvölkern, die alle Waben neu errichten. Diese Waben sind jungfräulich und deshalb viel beweglicher und instabiler als die Waben, die schon mehrere Brutzyklen hinter sich haben und mit den diversen Bruthäutchen in den Zellen sozusagen „natürlich“ durch diesen Alterungsprozess stabilisiert wurden. 
Unter idealen Bedingungen hat ein Schwarmvolk also junges Wachs, sammelt viel Nektar und Pollen, geht sofort nach dem Einzug in die Brut (insofern die Königin schon befruchtet ist) und diese Brut entwickelt ebenfalls innert kurzer Zeit ein enormes Gewicht. Sind die Entwicklungsbedingungen über einen längeren Zeitraum so positiv, sind die Waben physikalisch an der Zerreissgrenze. Kommt dann entsprechende ruckartige Bewegung oder eine anhaltende Temperatur über 40 Grad Celsius dazu, brauchen die Waben eine zusätzliche Befestigungsmöglichkeit im Raum.

Wir gehen davon aus, dass für den Korb 5 Speile mit einem Stabdurchmesser von 6 mm ausreichend sein werden, um diese Unfälle zu verhindern, ohne damit die Kommunikation auf den Waben negativ zu beeinflussen.

Zur praktischen Handhabung für den Bienenhalter:

1. Sollte im unteren Bereich der Korb geöffnet werden, ist die Platzierung der Stäbe zu bedenken. Wir weisen darauf hin, dass die Speile im ersten Jahr möglichst gar nicht entfernt werden. Somit könnte das Volk von unten nur so lange geöffnet werden, bis die in die Waben einzubauenden Speile von den Bautrupps erreicht werden.
Da wir die Speile von Aussen jederzeit ziehen können wollen, um die einzelnen Waben an den Bogenrähmchen herausnehmen zu können, lassen wir die Speile so weit über den Korb hinausragen, dass wir sie mit einem entsprechenden Werkzeug fassen und dann drehen können. Somit könnten sie im Korb vorsichtig aus den Waben gezogen werden, bevor wir die Schrauben am Unterteil lösen.

2. Zu beachten ist ferner, dass die Speile nicht zu weit unten im Korb angebracht sind. Ansonsten können wir den Korb nicht mehr in einem Behältnis transportieren ohne die Speile abzubrechen. Diese Anforderung gilt auch für den Fall, dass der Korb aus dem Baum herunter in ein Fass eingelassen werden soll.

3. Die Speile müssen quer zur Wabenrichtung angebracht werden. 

4. Die Speile sollen auf keinen Fall schon beim einlogieren des Schwarmes im Korb montiert sein, sondern erst nachdem die Bienen mit dem Wabenbau (oben an den Rähmchen) ordnungsgemäß angefangen haben.

5. Wir gehen davon aus, dass die Speile im darauf folgenden Jahr weggelassen werden können, weil sich unsere Waben entsprechend der natürlichen Alterung so weit stabilisiert haben, dass sich ein Abriss aus Bewegungs- und Temperaturgründen nicht mehr ergeben wird. 

Zum praktischen Vorgehen und zum eventuellen nachträglichen Einbau in einen neu zu besetzenden Korb empfehlen wir folgende Vorgehensweise:

Äussere Putzschicht vorsichtig aufbohren, damit keine Risse im Putz um das Bohrloch entstehen, möglichst klein und mit hoher Drehzahl beginnen. Vorsicht ist ebenfalls geboten beim Durchbohren der inneren Verputzschicht. Wird beim Bohren ein Flechtband verletzt, was wir eigentlich nicht sehen können, wird dies die Stabilität des Korbes nicht weiter beeinflussen, denn die Bänder werden durch den Putz vor einem Ausfädeln bewahrt. Zur Bearbeitung von Gipskarton gibt es im Fachhandel sogenannte Bohrraspeln (Ø 5 mm). Wer eine solche hat, kann damit das gebohrte Speilloch noch etwas ausraspeln, damit der Speil leicht durch den Strohkorpus geschoben werden kann. 
Auf der gegenüberliegenden Seite von unserem durchgehenden Loch wird auf waagrechter Höhe am besten mit eingeschobenem Speil angezeichnet, wo das Loch gebohrt werden soll. 
Es genügt dieses Loch als eine Halterung für die Speilspitze nicht allzu tief einzubohren. Einfach so tief, dass die Spitze des Speils in der Korbwand verschwindet. 
So werden nach und nach die Speile in den Korb eingebracht. Wird dabei der Putz verletzt, sollte er mit einem Lehmschlämme wieder repariert werden. Die Bienen werden entsprechend ihrer Vorgehensweise einen Überzug aus Propolis an diesen Stellen auftragen. 
Diese Verklebung wird vor einem Entfernen der Speile durch eine Drehung des Speils gelöst werden können. 

Auch wenn diese Unfälle nicht bei allen Körben vorkommen, wollen wir Möglichkeiten finden diesen Fällen praktisch zu begegnen.
Wir nehmen auch gerne Tipps und Anregungen von unseren Lesern und Kursteilnehmern entgegen. Denn nicht zuletzt die Bienen lehren uns, dass sich in Gemeinschaft bessere Lösungen erarbeiten lassen als alleine. Wir freuen uns also über jegliche Beteiligung von Euch!


Wir hoffen, dass wir mit unseren Bemühungen einen guten Anfang hinbekommen.











Sonntag

Rückblick Bienenjahr 2018: sonnige Tage

Unsere Bienen hatten in diesem Jahr ungewöhnlich viele Arbeitstage. Entsprechend umfangreich sind die Vorräte in den Körben. Weniger als die Hälfte der Schwärme aus dem letzten Jahr haben unsere Gemüter erfreut. Warum? Das Wetter war gut, Trachtangebot - auch gut, genug Bienen gab es auch. Trotzdem sind dieses Jahr viele Völker gar nicht geschwärmt.

Einer der Schwärme 2018


Die Baumläuse bei der Arbeit
Auffallend waren die von Honigtau triefenden Eichen und Scheinakazien. Die Bienen sammelten sehr intensiv über mehrere Wochen in einer Eiche, die wohl von Lachniden nur so übersät sein mochte. Unter dem Baum ging man durch die klebrige Substanz und der Boden war dunkel gefärbt wie nach Regenfall. Den gab es allerdings fast gar nicht. In unserer Scheinakazie waren die äusseren Erscheinungen ähnlich. Im Unterschied zur Eiche fanden wir aber keine Bienen, die sich des klebrigen Süssstoffs bedient hätten. Die Läuse befielen die jungen Fruchtstände und wollten bis zum Herbst nicht mehr davon ablassen. Wenn man sich unter den Baum stellte, konnte man den Zuckerregen auf der Haut spüren, aber keine einzige Biene holte sich etwas davon. Sie waren wohl woanders zugange. 


Ines Blumengarten für die Bienen












Ein Nachbarimker hat sein Kistenvolk auf einer Waage zur Beobachtung stehen. Er berichtete mir, dass er an einem Tag glaubte, seine Waage wäre kaputt: das Volk wog am späten Abend 7 kg mehr als noch am frühen Morgen.







Unsere landwirtschaftlichen Erzeuger in der Umgebung haben dieses Jahr durch eine Wetterbedingte frühe Getreideernte für wunderschöne Blütenteppiche gesorgt. Vieles, was an Gründüngungsmassnahmen gemacht wurde, kam den Bienen zu Gute. Riesige Felder mit Sonnenblumen und Phacelia schmückten die Landschaft, gelbe Senfeinsaaten brachten und bringen immer noch die Bienen zum Sammeln und Bestäuben. Ein weiterer Blütenmagnet bildeten die ersten Maisersatzpflanzenfelder der durchwachsenen Silphie. 


Wie schon angedeutet, sind die Bienen heute, am 11. November 2018, geflogen und sind sogar zwar spärlich, aber immer noch mit Pollenhöschen unterwegs gewesen. Das deutet auf fortwährende Arbeit im Inneren des Korbes.

Wie geht und ging es den Untermietern der Bienenvölker?
Nein, wir meinen nicht die Bücherskorpione, wir haben leider noch keine gefunden, weder in unseren alten Büchern, noch in unseren Beuten. Gemeint sind die Varroamilben.

Ich muss sagen, es fällt mir immer schwerer diese Tiere als unerwünschte Parasiten zu sehen, als vielmehr eine zusätzliche Wesenserscheinung „an“ der Biene. Wir kontrollierten dieses Jahr immer wieder den natürlichen Abfall aus den Körben und stellten fest, dass wir sogar noch im September wenige Exemplare in den Tellern fanden und zwar gleichermassen in den abgeschwärmten Völkern, wie auch bei den Schwarmvölkern, die neu gebaut hatten, wie auch in den Völkern, die gar nicht geschwärmt sind. Natürlich hätte ich gerne eine zuverlässige Antwort auf die Frage nach dem Warum!

Tote Bienen unter einem der Körbe
Jetzt, Anfang November, sieht es ganz anders aus. Alarm, vermehrter Totenfall bei Milben. Wir hatten ein paar wenige kältere Tage Ende Oktober. Diese Tage führten zu einer massgeblichen Unterbrechung der Tätigkeiten, die schon über Monate währten. Die Milben tauchten auf zwischen den sterbenden Sommerbienen (Bild Betonfläche) und der Gemüllteller zeigt uns bei einem Volk sehr unschöne Bilder der befallenen Brut der Winterbienen. 
Wir hatten uns vorgenommen zu behandeln wenn nötig und nicht auf Befallsverdacht. Jetzt plötzlich müssen wir also zur Tat schreiten. 

Befallene Winterbrut



Ich würde sagen, die Bienen sind jetzt in Winterstimmung, aber längst nicht in einer Wintertraube. Temperaturen bis zu 16 Grad Celsius tagsüber und nachts nicht unter 6 Grad lassen die Bienen nicht wirklich zur Ruhe kommen. Wir können also noch behandeln ohne eine Wintertraube zu stören…

Dienstag

Die frühe Blüte zu Ostern 2017

Viele Tage vor Ostern schon war es in der Natur zur Blühfreude gekommen.


An die Blüte von Gelblingen, Schneeglöckchen, Krokussen schloss sich fast nahtlos und dank der warmen und günstigen Witterung die Blüte der verschiedenen Weidensorten an. In Hecken und Waldrändern erstrahlt im Moment noch das Weiss von wilder Pflaume, Schlehe und Vogelkirsche.

Wir mit den Korbbienen beschäftigten stellten derweil fest, dass unsere Völker gerade mit ersten kleinen Brutgeschäften begonnen hatten. Vorräte waren in den meisten Körben noch zur Genüge vorhanden und aus manchem Korb haben wir eine kleine Honigernte entnehmen können. 


Vom Rand zur Mitte hin werden Waben entnommen, die, so sie mit Honigvorräten gefüllt, in einer bestimmten Hinsicht den Bienen eine Entwicklungsbremse werden könnten. Nämlich in Hinsicht auf zu vergrössernde Brutmassnahmen und umfangreichen Nektarneueintrag bei starker Tracht. Findet unsere Honigernte also vor Ostern statt, erhalten die Bienen den nötigen Platz zur Neuorientierung im beginnenden Bienenjahr. Das Brutgeschäft konzentriert sich dann vorübergehend auf die zentral liegenden grossen Waben. Beim anschliessenden Wachstum des Volkes und der zu erledigenden Aufgaben in der Aussenwelt  wird das Volk den entstandenen Raum neu bebauen und für die verschiedenen Vorhaben neu einrichten können. Brauchen wir Drohnenbrut, brauchen wir Arbeiterinnenzellen, brauchen wir Lagerraum für Pollen und Nektar für die Erweiterung unseres Brutnestes? So sind wohl die Fragen die sich die Bienen in den nächsten Tagen und Wochen stellen werden. 

Dieses Jahr besonders interessant für den Korbimker, eben weil die Pflanzenwelt so früh begann sich zu entwickeln, waren schon viele Pflanzen mit der Büte zum Abschluss gekommen sind. Unsere Fragen lauten. Wie gut wurden diese Pflanzen bestäubt? Wird es überhaupt zu für uns Imker spürbaren Veränderungen in der Volksentwicklung kommen? Werden die Völker vielleicht weniger in Schwarmstimmung kommen? Wird es nochmals zu einer Unterbrechung bzw. Verlangsamung der Entwicklung in der Vegetation kommen, so dass die Völker etwas aufholen werden? Jeder kalte Tag und jede kalte Nacht helfen unserer Meinung nach den Bienen etwas von dem sonst so legendären, aber dieses Jahr verlorenen, Entwicklungsvorsprung wieder einigermassen auszugleichen. 

Wir sind gespannt und beobachten!


Freitag

Die Gemülldiagnose am Weissenseifener Hängekorb

Es gibt Mittel, die uns ermöglichen im Nachhinein zu erahnen, was im Korb geschah und auch was geschehen wird. Denn was können wir dem Bienenvolk wirklich Gutes tun? Beobachten wir die Lebenserscheinungen und Sterbensvorgänge so oft und so lange wie möglich und nicht zuletzt geduldig! Manche Antwort kommt uns erst Tage später in den Sinn!

An dieser Stelle sei ein schönes Buch von Heinrich Storch "Am Flugloch" empfohlen, als Helfer für den Anfänger, Ratgeber oder Übungsleiter. Dieses Buch ist eine kleine Blüte des jahrelangen Beobachten an den Fluglöchern vieler Bienenvölker.

Bei unserem Korb ist die Fluglochöffnung am unteren Ende des hängenden Objektes vorgesehen. 

Der Teller wird mittels Pinne am Anflugtrichter befestigt
Gemüllteller am Hängekorb im Baum

Wir haben den Anflugtrichter der Bienen zusätzlich mit einer Auffangschale aus Kunststoff versehen. Alles, was dem Leben der Bienen aus dem Korb "entfällt", findet sich in dieser Schale wieder. Diese Dinge geben uns Aufschluss darüber, was im Inneren des dunklen Raumes vor sich geht, ging oder manchmal auch gehen wird. Der Vorteil für die Bienen ist, unserer Meinung nach, ein zweifacher. Einmal müssen die Bienen keine Mühe aufwenden um z.B. leblose Bienenkörper aus dem Stock zu tragen. Zum Anderen geschieht unsere Beobachtungsaktion ohne die subtilen und eigentlich intimen und teilweise hochkomplizierten Vorgänge des Bienenvolkes durch ein Öffnen des Korbes zu unterbrechen und mehr oder weniger anhaltend zu stören. Es sei hierbei nur als Beispiel daran erinnert, wie Forschungsergebnisse des renommierten Bienenforschers Tautz ergaben, dass Bienen, die ausgebrütet werden, von ihren Pflegebienen auf ein halbes Grad genau temperiert werden, später eine bestimmte qualitative Aufgabe übernehmen sollen, weil sich entsprechend ihr Gehirn durch diese Temperaturmassnahme anders auszubilden vermag.

Ein weiterer Vorteil des Gemülltellers unter dem Flugloch ist, dass er sich auch über mehrere Tage als Sammler von Neuigkeiten anwenden lässt. Unsere Erfahrung lehrt uns, nicht alle unserer geliebten Völker befinden sich so in unserer Nähe, dass wir oft genug Beobachter der Vorgänge am Flugloch wären. Vieles entgeht uns, da wir immer nur Momentaufnahmen an einem Korb machen werden. Es mag z.B. zwei Völker, die nur einige Meter voneinander entfernt in einem Baum hängen, geben. Bei einem Besuch an einem beliebigen Morgen erleben wir das eine Volk munter und geschäftig, Flugbienen in die Umgegend zu versenden, während das andere Volk anscheinend zu den Langschläfern gezählt werden darf und sich nur ganz wenige Bienen draussen beim Sammeln und Fliegen betätigen. Eine halbe Stunde später aber verschiebt sich das Bild der Aktivitäten der beiden Völker ins genaue Gegenteil. Das zeigt doch, wie entscheidend für die eine oder andere Begegnung mit einem Volk dieser gewählte Zeitpunkt unserer Ankunft sein kann. Durch einen Gemüllteller werden so Langzeitaufnahmen gemacht, selbst wenn wir eine Woche nicht zu unserem Volk gehen können, lassen sich Aussagen treffen, die ein umfangreicheres Nachempfinden der letzten Zeit zulassen.

Beispielsweise finden wir dann bei den eben genannten Völkern in den jeweiligen Gemülltellern, beim Anflug oder im Stock selber verlorene Pollenhöschen verschiedenster Farben. Es wäre naheliegend, dass Sammelbienen der einzelnen Völker unterschiedliche Futterquellen beflogen haben.

Kleine Wachsplättchen als Anzeichen der Bautätigkeit...
...nach dem Einzug des Bienenschwarms
Viele Krümelchen und gelber Pollen
Oft sind unsere Beobachtungen Balsam für die Imkerseele aber auch das Gegenteil ist der Fall, dann nämlich, wenn es um Anzeichen von Krankheit, Parasiten oder irreparablen Schäden am Volk selber geht. Man stelle sich vor, eine tote Königin liegt im Teller. Je nachdem, wann so etwas geschehen ist, gibt es viele Möglichkeiten, warum und weshalb so etwas vorgekommen sein mag. Geschieht dies im Winter, würde es wohl mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit eine viel schlechtere Nachricht sein als im späten Frühling. 
Hinsichtlich einer Diagnose ist also auch die jeweilige Jahreszeit, in der wir diese Dinge sehen und anschliessend vielleicht auch beurteilen werden, sehr entscheidend.

Kalkbrut
Das große Sterben
Viele tote Varroamilben nach einer Behandlung

Es gibt einen Umstand, der sehr viele Imker und Bienenhalter dazu bewegt, zumindest zu bestimmten Zeiten diese Gemülldiagnose vorzunehmen. Dieser Umstand ist das Vorkommen und die Vermehrung der Varroamilben in den Bienenvölkern. Da diese Milbe erst vor Jahren zu unseren Honigbienen gekommen ist, sind die Abwehrmechanismen der Bienen entsprechend gering. Man kann vielleicht sogar sagen, dass die Bienen diese Milbe gar nicht als lebensbedrohlichen Eindringling feststellen oder feststellen können. Die Milbe scheint aber immer wieder, oder vielleicht auch immer noch, der letztendliche Auslöser für ein Zugrundegehen eines Honigbienenvolkes zu sein.

Um das Überleben des Volkes zu sichern, behandeln wir nach erfolgter Diagnose unsere Völker mit natürlichen Säuren. Die Feststellung des Milbenaufkommens im Bienenvolk wird gemessen an dem natürlichen Totenfall des Parasits. Es gibt verschiedene Praktiken und Ansätze - uns genügt eine Diagnose über den Gemüllteller. Was wir hier zu bestimmter Jahreszeit an toten Milben umgerechnet auf einen täglich natürlichen Abfall aus dem Bienenvolk zählen können, ist für uns die entscheidende Grundlage für eine Behandlung. Bei einem Verzicht auf menschlichen Verzehr des Honigs aus dem Bienenvolk ist es möglich zu jeder Jahreszeit mit entsprechenden Mitteln den Bienen zu helfen.

Grob gesagt: in der Zeit Ende Mai/Anfang Juni läge die Grenze bei 3-5 Milben am Tag, meist finden wir aber bis Ende Juli überhaupt keine toten Milben im Teller, was eine Behandlung überflüssig scheinen lässt. Erst im August bzw. September fängt die Problematik an sichtbar zu werden. Dann gilt immer noch die Regel von mehreren Milben am Tag und wir behandeln das Volk zu einer größtmöglichen Befreiung von diesem Parasiten. Was in solchen Fällen zu geschehen hat, sei den Gepflogenheiten und Ansichten der einzelnen Imker überlassen. 
Wir wollen auch nicht unerwähnt lassen, dass unsere englischen Freunde von Natural Beekeeping Trust und andere, schon völlig auf eine Behandlung der Völker verzichten und damit angeblichen Erfolgen des Überlebens der Völker mehr entgegenkommen als mit einer Behandlung.

Wie wichtig im Moment ein Gemüllteller für unsere Art der Bienenhaltung im Weissenseifener Hängekorb geworden ist, sollen auch die folgenden Bilder untermauern. 
Vielfache Hinweise auf Varroabefall durch verkrüppelte Bienen und tote Milben


Es wird gebrütet - wir können Brutdeckel erkennen


Starke Bruttätigkeit: kondensiertes Wasser aus dem Inneren des Bienenkorbes, ausgeräumte kranke Bienenpuppen, Wachskrümel von entdeckelten Vorratswaben, Kotspritzer von Bienen, die es eilig hatten aufs Klo zu gehen

Kranke Bienenbrut, Virenbefall sichtbar durch nicht entwickelte Flügel bei den Bienen, von schlüpfenden Bienen aufgeknabberte Zellendeckel, einige tote Milben, Wachsreste und Pollen

Es gibt Gäste im Korb! Heruntergefallene Maden der Wachsmotte und schwarze Kotkrümel der Wachsmottenraupe


Verlorene Pollenhöschen, Strohreste vom Korbputz, rätselhafter gelber Abfall








Sonntag

Gedanken zum Varroabefall im Herbst


Selbstverständlich bekommen unsere Bienen auch in der kalten Jahreszeit unsere Aufmerksamkeit zu spüren. Kurz vor Weihnachten sind normalerweise die einzelnen Völker in der Wintertraube versammelt und geniessen den Sommer ein zweites Mal aber in Form des Honigs, der von den Sommerbienen hergestellt wurde. Dies ist natürlich nur dort der Fall, wo keine künstliche Herbstfütterung mit Zucker und anderen Ersatzprodukten durchgeführt wurde. 

Im Moment beobachten wir enorm grosse Seinsunterschiede unter den einzelnen Bienenvölkern. 
Woher sie kommen, kann man beim besten Willen nicht abschliessend beurteilen. Einerseits sind verschiedene Standorte das erste Jahr in Benutzung, andererseits sind alle Völker in diesem Jahr mehrfach geschwärmt. Nicht jedes Volk hat es geschafft den Korb komplett auszubauen. Durch die unterschiedlichsten Standorte kamen auch ganz unterschiedliche Trachtangebote in Frage, also nicht nur die Frage, ob ein Volk auf der Nordseite eines Hauses hängt oder frei in einem jetzt unbelaubten Baum oder unter einem grossen Vordach, unter das jetzt im Winter die Sonne gerne die Termperaturen in die Höhe treibt und die Bienen zum Reinigungsflug einlädt. Viele Völker brüten noch, hauptsächlich Völker, deren Milbenbefall erwiesener Massen wirklich hoch ist. 

Unsere Korbvölker sind zahlenmässig meist nicht so gross, wie ein Kistenvolk. Das bedeutet, mit 2000 bis 3000 ausgezählten Milben ist das Maß der Dinge längst überschritten. Zumal diese Anzahl an Milben, so sie im August oder September festgestellt wird, längst zu einer äusserst starken Verseuchung der Brut geführt hat. Manchmal schlüpfen noch tausend Bienen mit verkrüppelten Flügeln, die alle nicht überleben können und es ist zu vermuten, dass zu diesem Zeitpunkt dann nur noch einzelne oder gar keine gesunden Bienen in diesem Volk mehr zur Welt kommen können. Nichts desto trotz scheint so ein Volk mit aller Kraft weiter auf das erbrüten neuer Volksmitglieder zu setzten, weil es ja auch ein vernünftiger Weg wäre, mit neuen frischen gesunden Bienen aus der Krankheit heraus zu wachsen. Wäre ein solcher Befall im Sommer festzustellen, würden die Bienen vermutlich auch noch ihre Behausung verlassen um zusätzlich auf ganz unverseuchtem Wabenmaterial neu zu starten. Keine Methode für den kalten Winter. Eine weitere nachteilige Folge der langen und intensiven Bruttätigkeit eines erkrankten Volkes ist dann zu befürchten, wenn die für den winterlichen Betrieb gesammelten Vorräte vorzeitig aufgebraucht sind. Der Bienenbeobachter muss gegebenenfalls im Frühjahr, wenn die Termperaturen es zulassen mit einer Fütterung nachhelfen. Geprüft wird die Vorratslage mit einer digitalen Hängewaage. Gewicht des leeren Korbes plus ca. 3 kg Bienen mit Wabenbau und Brut, der Rest sollte dann als Honig und Pollenvorrat gelten.

In den Monaten Februar und März, nach dem Eintrag von erstem Pollen und Nektar, können die Entwicklungsbedürfnisse der Völker so groß sein, dass erheblich viel mehr Futter zur Ernährung der Brut gebraucht wird. Draußen ist es meistens noch kalt und die Temperatur für eine große Brutfläche auf derselben auf ca. 35 Grad dauerhaft gehalten werden muss. Mir ist nicht bekannt, ob es im Bienenvolk eine Kraft oder Instanz gibt, die die Menge des Futtervorrates beurteilt und entsprechendes Verhalten in viel oder wenig von etwas z.B. der Brutmenge zur Folge hat, aber bei entsprechenden Kälteeinschlägen von mehreren Tagen, sind die Völker auch dazu bereit, Teile der Brut aufzugeben und aus den Zellen auszuräumen.


Schön wäre es, wenn wir als Imker so einfühlsam werden könnten, dass es uns gelänge aus den so vielen Beobachtungssträngen, die unsere Begegnungen mit den Bienen ergeben, den Bienen und uns einen würdigen Stellenwert auf dieser Welt zu erarbeiten. 

Dann, wenn wir uns als Mensch entschlossen haben, dem Bien so oder so zu begegnen, wird aus diesen jeweiligen Begegnungen eine gemeinsame Zukunft entstehen.